Epi (epicommentary.com)

inDota2.de hat sich mit dem aufstrebenden deutschen Caster Epi zusammengesetzt und ihm einige Fragen über Dota 2, das Casten und den E-Sport gestellt.

inDota2.de: Wie bist du zum Casten gekommen und wie lange castest du schon?

Epi: Nun ja, Dota war schon immer ein Spiel, das mich stark interessiert hat und in meinen Augen ist es einfach das beste Spiel der Welt. Es ist unglaublich tiefgründig und strategisch vielseitig. Die Pros sehe ich mir seit ca. 3 Jahren immer wieder mal an und das ganze rundherum und die Community fand ich einfach sehr ansprechend. Ich wollte das ganze einfach gerne zu meinem Beruf machen oder zumindest zu meiner Freizeitbeschäftigung Spiele zu kommentieren. Das alles war vor etwas mehr als einem Jahr. Vor etwa 5 Monaten dann hat mich meine Freundin endlich motivieren können damit anzufangen und vor etwa 4 Monaten habe ich dann mein erstes Video hochgeladen.

inDota2.de: Spielst du Dota auch selber und wenn ja, spielst oder castest du lieber?

Epi: Ich spiele Dota jetzt ca. 5 Jahre mit meiner Freundin und einigen Freunden, hab auch jetzt vor dem Interview noch kurz eine Partie gespielt. Es ist für mich schwer zu vergleichen und was ich lieber mache, kann ich so eigentlich gar nicht sagen. Das kommt auch sehr darauf an, welche Events gerade sind und welche Teams spielen. Es gibt Spiele die ich nicht unbedingt casten muss und dann gibt es wieder welche, bei denen ich alle Hebel in Bewegung setzen würde, um sie zu kommentieren.

inDota2.de: Was gefällt dir persönlich so gut an Dota und welche Vorteile hat das Spiel gegenüber HoN oder LoL?

Epi: Also ich habe HoN oder League of Legends nie wirklich gespielt. Ich habe eigentlich immer nur Dota gezockt und wenn ich gehört habe, dass andere Spiele raus kommen, die darauf basieren, hab ich die nie angerührt, weil ich eben mit Dota sehr zufrieden war. Ich wollte da Icefrog einfach treu bleiben, weil er einfach der main developer war und deshalb wollte ich auch partout nichts anderes spielen. Neben der Loyalität für Icefrog war es aber auch so, dass ich das Spiel einfach sehr gut fand und ich nicht das Bedürfnis hatte was Neues auszuprobieren. Ich war auch sehr aufgeregt als ich hörte, dass Dota 2 kommen soll. Konnte man die sehr steile Lernkurve von Dota mal hinter sich lassen, dann hat man noch immer die Möglichkeit, im Rahmen einer geregelten Arbeitswoche, ein Spiel zu spielen das einfach eine unglaublich krasse strategische Tiefe aufweist. Es gibt unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten aus Items, Helden, Bewegung über die Karte etc. und trotzdem dauert ein Spiel meist nicht länger als 30-45 Minuten. Das ist natürlich sehr gut, wenn man einem Job nachgeht und trotzdem das Bedürfnis hat am Abend ein paar Partien zu spielen, darin liegt für mich der größte Vorteil von Dota.

inDota2.de: Welchen Dota-Helden castest du am liebsten bzw. welchen willst du gar nicht sehen?

Epi: Naja Anti Mage ist so eine Sache. Wenn du siehst, dass AM nach 13 Minuten schon sein Battle Fury gefarmt hat und auch noch der restliche Draft darauf ausgelegt ist, dann heißt das in 8 von 10 Fällen schon „Good Game“. Das ist dann nicht so spannend. Ich freu mich aber schon sehr darauf Meepo zu casten, Storm Spirit ist auch ein Held, den ich sehr gerne caste, da man vor allem bei diesem sehr gut den Unterschied zwischen einem Pro und einem normalen Spieler sieht. Ein Pro ist einfach in der Lage sich sein Mana viel besser einzuteilen. Wisp ist ebenfalls ein Held, den ich sehr gerne caste, da er sehr schnell eine plus 2 Situation herstellen kann, mit dem das gegnerische Team dann nicht unbedingt rechnet.  

inDota2.de: Würdest du dich eher als emotionalen Caster sehen oder eher als sachlichen?

Epi: Ich bin auf jeden Fall eher der analytische Typ was das casten angeht. Ich muss aber auch sagen, dass 4 Monate, die ich jetzt caste, nichts sind und ich da eher noch dabei bin meinen Style zu finden. Ich weiß aber auch, dass wenn man Maincaster ist, der Typ ist, der die Stimmung setzen muss. Daran arbeite ich auch und versuche mich hier zu verbessern, denn es ist auch die Aufgabe des Casters den Leuten zu vermitteln wie krass und unglaublich das ist was hier gerade passiert.

inDota2.de: Du selbst castest ja auf Englisch, siehst du in der Zukunft einen Markt für deutsche Caster?

Epi: Nun das ist schwer zu sagen. Ich selbst muss mich auch immer fragen ob ich auf Deutsch oder Englisch casten soll. Wenn ich auf Deutsch gecastet habe, hatte ich wenn es hochkam ca. 50 Zuschauer. Da waren coole Leute dabei mit denen ich im Chat auch viel Spaß hatte aber ich habe ja nicht mit dem Casten angefangen um Freunde zu finden sondern um einer möglichst breiten Masse das Spiel näher zu bringen. Ich werde meine zukünftigen Cast in 99% der Fälle auf Englisch machen aber man weiß nie was passiert wenn Dota 2 veröffentlicht wird. Wenn es so ein großes Ding wird wie ich hoffe, dann wird es wichtig sein, dass es viele verschiedene Caster in verschiedenen Sprachen gibt.

inDota2.de: Wie groß schätzt du das Potential von Dota 2 ein sich im E-Sport Sektor zu etablieren?

Epi: Also in meinen Augen hat das Spiel selbst das Potential das größte Spiel zu werden, das die E-Sport Welt je gesehen hat. Es hat auch das Potential, dass es außerhalb von E-Sport ganz ganz groß wird und viele Leute an E-Sport heranführt. Im Vergleich zu Dota finde ich zum Beispiel ein Fußballspiel langweilig. Es wird auch darauf ankommen, ob Neulinge bei Dota darauf reagieren, wenn sie ihre ersten Partien verlieren, ob sie dann schnell darauf pfeifen oder ob sie der Ehrgeiz packt und meinen: „Ok, wenn ich öfter spiele kenne ich die Helden besser und kann auch das Spiel besser kontrollieren.“. Wenn es viele Leute gibt, die so an die Sache rangehen dann hat Dota sehr großes Potential.

inDota2.de: Die Community von Dota ist ja leider nicht gerade freundlich zu Neueinsteigern im Spiel. Welchen Tipp würdest du Neulingen in Dota 2 geben?

Epi: Ja leider haben es Neulinge in Dota nicht leicht. Meine arme Freundin ist ja mittlerweile eine recht erfahrene Spielerin, aber auch sie musste manchmal einiges von mir ertragen. *lacht* Es ist einfach so, dass Dota ein sehr emotionales Spiel ist und du bist mit Herz und Seele dabei, du bist total darin vertieft und wenn du Erfahrung hast, dann weißt du einfach schon wie du zum Beispiel einen Teamfight angehen musst. Es gibt aber leider auch viele Spieler, die wenig Ahnung vom Spiel haben, aber meinen alles zu wissen und dann ungerechtfertigt flamen. Das passiert leider. Es ist ein bisschen so wie mit dem Weltfrieden bei Dota 2. *lacht* Wenn jeder ein bisschen an sich arbeitet, dann ist auch das Klima insgesamt gleich viel freundlicher. Wenn also Neulinge vorher mal ein paar Botspiele spielen, um sich zumindest im Shop zurechtzufinden und die einfachsten Shortcuts beherrschen dann ist schon mal viel getan. Wir, die schön länger Spielen, müssen halt auch im Hinterkopf behalten, dass wir alle mal neu waren und uns dementsprechend verhalten. Neue Spieler müssen halt ein paar Partien schlucken, wo sie angemotzt werden und Fehler machen, aber mit der Erfahrung kommt mehr Spielspaß.

inDota2.de: Du hast ja das große Glück, dass deine Freundin auch deine Partnerin ist bei deiner Homepage. Wie ist es dazu gekommen?

Epi: Ja da hatte ich Glück. *lacht* Also ich kann dir erzählen das wir bei den ersten „Internationals“ jeden Tag dort waren. Wir waren noch nie auf der Gamescom und am Finaltag war es voll, wirklich VOLL. Es war eine einzige Menschentraube, die darauf gewartet hat reinzukommen. Auf der Zugfahrt dorthin hatten wir einen Redakteur eines Onlinemagazins kennen gelernt. Dieser ist mit uns dann zum Presseeingang gegangen und hat uns ein Pressehalsband gegeben aber keinen Ausweis. Wir waren so verzweifelt das wir dann einfach unsere Dauerkarten, obwohl sie ganz anders aussahen, da rein gepackt haben und mit neuerlicher Mitwirkung von unserem Freund kamen wir dann auch wirklich rein. Dann sahen wir eben bei dem Turnier zu, bei dem ja Navi gewonnen hat. Ich war auch immer schon sehr begeistert vom Style Navis. Nach dem Turnier dann hat meine Freundin mich einfach nur gefragt: „Wars das oder willst du noch was machen?“. Das war für mich sehr wichtig, denn hätte sie gehen wollen wäre ich wohl gegangen. Hätte sie gesagt: „Ach komm, geh hin und hol dir das Trikot von „ArtStyle“!“ hätte ich wohl darauf verzichtet, da ich eher ein Mensch bin, der sich da in nichts hineindrängen lassen will. So aber hatte ich allein die Wahl und ich hab mir ein Herz gefasst, bin zu ArtStyle hin und habe ihn gefragt ob ich sein Trikot haben darf. Der hat mich kurz gemustert, dann hat er mir sein Trikot gegeben und alle Navi-Jungs haben darauf unterschrieben. Diese Metapher steht für mich einfach stellvertretend für die Unterstützung meiner Freundin, denn sie hat in dieser Situation genau das richtige gemacht und so ist es auch bei der Website, beim casten etc.

inDota2.de: Welches ist dein Lieblingsteam?

Epi: Also ganz klar das DTS-Team von 2010. Das war das erste Team, das es geschafft hat es halbwegs mit den Asiaten aufzunehmen, auch wenn sie fast immer verloren haben hat man trotzdem gesehen, dass sie diesen riesigen Juggernaut halbwegs bekämpfen können. Natürlich auch NAVI 2011, die es dann ja auch geschafft haben „The International“ zu gewinnen.

inDota2.de: Wie stehst du zu dem unglaublich Preisgeld von „The International“? Findest du so viel Preisgeld ok oder befürchtest du wie einige andere das es kleineren Turnieren die Attraktivität nimmt?

Epi: Ich halte die ganze Diskussion für etwas eigenartig. Ich meine es gibt eine Firma die 1 Million Dollar für ein Gewinnerteam rausschmeißt, warum flamed man die dann? Das einzige was die machen ist, dass sie den Rhythmus verändern den man bisher aus der E-Sport Szene kannte. Bisher war es immer so dass man einen etwa gleichbleibenden Rhythmus hatte was den möglichen Income angeht durch die Preisgelder die da ausgeschüttet werden bei diversen Turnieren, nicht nur bei Dota 2 sondern eben auch bei SCII, CS etc. Bei Dota 2 gibt es dieses eine Megaevent, daraus ergibt sich das einige Monate vor „The International“ die Teams stabilisieren, sie fangen richtig hart zu trainieren an und wenn der Tag dann da ist sehen wir eine Show, die sich gewaschen hat. Es war so schönes Dota, das wir bei den letzten „Internationals“ gesehen haben und wenn das Turnier dann vorbei ist, dann zerfallen halt viele Teams, vor allem jene die nicht so gut abgeschnitten haben. Das ist ja auch ok, man kannte es halt in dieser Form nicht. Vor allem sieht man dass sich bestehende schwächere Teams auflösen und dadurch individuelle, richtig starke Spieler dazukommen. Für mich persönlich ist es absolut ok das einmal im Jahr so ein Megaevent stattfindet.

inDota2.de: Ok, zum Schluß irgendwelche Shoutouts?

Epi: Hmmm, ja also ich hoffe einfach, dass wir in nächster Zeit viele neue Teams sehen und die Teams wieder zusammenfinden. Ansonsten möchte ich alle Dota-Spieler da draußen grüßen und sie einladen mal bei epicommentary.com vorbeizuschauen und mir ihre Meinung zu sagen. Ansonsten möchte ich noch meine Freundin ganz lieb grüßen, meine Mama und alle meine Freunde mit denen ich regelmäßig zocke.

inDota2.de: Ok danke fürs Interview.

Epi: Ich danke, machts gut.