Dota 2 Caster Saga im Interview

Saga ist einer der wenigen deutschen Dota 2 Caster. Wir sprachen mit ihm unter anderem über die deutsche Szene, seine ersten Schritte als Caster und seine Erfahrungen als Caster des ersten „The International“. Außerdem fragten wir ihn, was seine Eltern von seiner Karriere als Caster halten und ob er sich vorstellen könnte, beruflich Dota 2 zu casten.

inDota2.de: Meine erste Frage wäre, seit wann du castest und wie du eigentlich zum Casten gekommen bist?

Dota 2 Caster SagaSaga: Ich caste jetzt seit über 2,5 Jahren. Ich hatte immer eine große Affinität gegenüber Replays von hochkarätigen Teams und auf Gosugamers gab es immer eine schöne Sammlung von Chinesen-Replays, die in Europa allerdings kaum Anklang gefunden haben. Ich fand aber, dass man in diesen Replays die wahre Schönheit von Dota viel mehr zur Geltung kam, also wollte ich mit Analysen einiger Games den Leuten näher bringen. Ich dachte eigentlich das wäre eine einmalige Sache, habe dann allerdings weitergemacht, nachdem ich viel Lob dafür bekommen habe. Mit der Zeit hat sich das alles eingespielt und ich wurde der „Chinesen-Caster“ und darauf hin habe ich dann auch Europa noch mit dazu genommen.

inDota2.de: Du spielst ja Dota 2 auch selber. Spielst du lieber oder castest du lieber und wie viel Zeit bleibt dir eigentlich noch zum spielen neben den Casts?

Saga: Nun meine Casts dauern ja für gewöhnlich immer etwas länger als die der anderen, weil ich eben auch sehr oft noch Interviews nach den Spielen mache. Damit bleibt mir eigentlich dann meist nicht mehr so viel Zeit zu spielen, das ist aber auch kein Problem denn ich habe mich dazu entschlossen, dass es das ist was ich machen will. Sollte ich am nächsten Tag keine Verpflichtungen haben, geht vielleicht noch ein klassisches Pub nach dem Game, denn man will ja den Abend dann noch perfekt ausklingen lassen und das geht so am besten. Da haben wir auch immer sehr viel Spaß.

inDota2.de: Gibt es Helden, über die du dich richtig freust wenn du sie casten kannst und gibt es auf der anderen Seite Helden die du gar nicht sehen willst?

Saga: Es gibt keinen Helden den ich nicht sehen will, es gibt aber auch nicht wirklich einen Helden über den ich mich sehr freue. Ich freue mich sehr über innovative Picks. Wenn man Phantom Lancer hat, welcher ziemlich verrufen ist in Europa, dann ist es nicht der Hero, sondern die Spielweise mit ihm.. Man kann einen Phantom Lancer auch aggressiv spielen. Letztens hat Fnatic den PL mit Aquila mit Gankfokus gespielt und da hat sich keiner über den PL beschwert. Es ist nur ermüdend einem voll gestackten PL beim stetigen Belagern mit Illusionsquads zuzuschauen.

Ich persönlich freue mich sehr über exotische Lineups und finde es gut wenn sich Teams wirklich Gedanken über einen Helden gemacht haben. Admiral Bulldog zum Beispiel hat als erstes Lone Druids Bär mit einem Armlet ausgestattet, am Anfang konnte das niemand wirklich verstehen, mittlerweile sieht man es schon bei LGD.

inDota2.de: Du bist jemand, der Wert auf seinen eigenen Style legt. Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Saga: Okay das ist schwer, ich würde sagen ich bin auf jeden Fall ein bisschen Kind. Wenn irgendetwas Außergewöhnliches passiert dann freue ich mich immer das gerade gesehen zu haben.  Ich bin ein sehr temperamentvoller Mensch, raste auch des Öfteren aus denn wenn irgendetwas Abgefahrenes passiert dann möchte ich es den Zusehern auch so rüberbringen. Es gibt einige Caster die dann sehr kühn darauf reagieren aber so bin ich nicht. Außerdem kann ich durch meine Competitive-Phase und meine langjährige Erfahrung in Dota ein wenig Wissen teilen. Ich mische also Entertainment mit Analyse, vielleicht 50:50, kommt aber auf das Game an.

inDota2.de: Was gefällt dir persönlich so gut an Dota 2? Was macht für dich den Reiz aus?

Saga: Es hat mehrere Reize. Das eine ist die Tiefe! Ich habe noch nie so ein komplexes Spiel gesehen, es ist tief in jeglicher Hinsicht. Bei Starcraft oder Warcraft zum Beispiel, die ich übrigens auch sehr gerne spiele, hat man mit der Zeit das Gefühl die ersten 5 Minuten wird eh immer das gleiche getan und dementsprechend holt man da schon das Maximum raus. Bei Dota ist das eben ganz anders. Es kann schon bei Minute Null den ersten großen Teamfight mit LVL 1 geben oder es gibt bis Minute 20 kein „First Blood“. Dota ist unberechenbar.

Das zweite ist wohl der soziale Aspekt. Ich denke man kann mit 4 Freunden bei Dota viel mehr Spaß haben als bei einem 1vs1 Starcraft (jedenfalls für Casuals). Das gefällt mir sehr.

inDota2.de: Du castest ja auf Deutsch. Der wohl derzeit bekannteste deutsche Caster „Epi“ hat sich entschlossen auf Englisch zu casten. Wie siehst du den Markt in Zukunft oder auch im Moment für deutsche Caster.

Saga: Zum einen muss man sagen dass der Markt für deutsche Casts stetig wächst, das sieht man auch an den Viewerzahlen. Darüber hinaus möchte ich aber noch sagen, dass es nicht die Sprache an sich ist, sondern viel mehr deine Art. Ein einzigartiger Caster hat die Chance mehr Leute zu fesseln als “Normalos”. Es gibt viele deutschsprachige Dotaliebende, die eben den englischen Stream bevorzugen, die Argumentation ist da, dass es sich sehr unnatürlich anhört, wenn man ständig englische Ausdrücke in deutsche Sätze  einbetten muss. Außerdem hat jede große Dotaseite ihre eigenen Caster, und da ist es kompliziert für sich zu werben. Wenn man gut für sich wirbt und seiner Sache treu bleibt, das Spiel liebt und das auch rüberbringt, mit originellen Ideen glänzt und diese gut umsetzt, dann werden immer mehr Deutsche den deutschsprachigen Stream gucken, die deutsche Szene ist eine ziemlich Große.

inDota2.de: Wie groß schätzt du das Potential von Dota 2 ein, sich im E-Sport zu etablieren?

Saga: Dota 2 hat auf jeden Fall das Potential das erfolgreichste Spiel zu werden, ich meine es ist ja noch nicht mal fertig. Es ist einfach nicht zu verleugnen, dass das Konzept von Dota den Leuten gefällt. Viel mehr kann man aber nicht sagen. Warten wir ab wie sich alles entwickelt, wenn Dota 2 fertig ist und eine moderate Zeit sich im E-sport behauptet.

inDota2.de: Welche Tipps würdest du kompletten Neulingen in Dota 2 geben?

Saga: Auf jeden Fall am Ball bleiben! Ihr solltet niemals alleine ein Public spielen. Es gibt eigentlich nichts Frustrierenderes als ohnehin schlecht zu spielen, das ist am Anfang nun mal so, und dann auch noch von den Anderen angemotzt zu werden. Ihr werdet dann wahrscheinlich nach einiger Zeit keinen Bock mehr haben. Holt euch Freunde, zwei oder drei reichen. Fragt andere Spieler ob sie euch was beibringen können. Dota ist ein sehr einsteigerunfreundliches Spiel. Guckt euch Guides an, da gibts ne Menge, die helfen am Anfang sicherlich sehr. Wenn ihr niemanden habt, bleibt einfach immer freundlich und vielleicht ergibt sich ingame was (so war es bei mir). Dann seid ihr vielleicht mal 5, könnt irgendeine kranke Combo picken, und zack, das Spiel macht Laune!

inDota2.de: Wenn ich dich nach deinen 5 Lieblingsspielern frage, wen nennst du?

Saga:1. KuroKy, 2. ChuaN, 3. Ferrari, 4. MiSeRy, 5. Admiral_Bulldog

inDota2.de: Du studierst ja Mathematik und Englisch auf Lehramt. Könntest du dir vorstellen nach dem Studium, wenn es der Markt zulässt, professionell zu casten?

Saga: : Schwere Frage. Man sieht TobiWan zum Beispiel an, dass er eigentlich das ein oder andere Match nicht casten will, er es aber muss. Ich weiß nicht ob ich das aushalten könnte. Ich glaube es könnte ein sehr großes und wichtiges Hobby werden für mich, eines in das ich sehr viel Zeit investiere deswegen wäre es natürlich perfekt wenn ich irgendwann mal daraus Profit schlagen kann. Aber da wir noch im Anfangsstadium sind, ist es unmöglich weitreichende Prognosen zu ziehen. Die Zeit klärt uns diesbezüglich sicherlich auf. Sicherlich wäre es sehr ulkig, wenn mich einer meiner Schüler auf meine Casts anspricht. Wenn er sie auch noch mag, könnten wir über die ein oder andere Notenverbesserung ins Gespräch kommen. *lacht*

inDota2.de: Du musstest ja mal einen Cast absagen und hast auf Facebook als Begründung genannt, dass du eben „sehr türkische Eltern“ hast, die nicht wirklich ihre Freude daran haben, dass du castest. Ist das ein großes Problem für deine Eltern?

Saga: Es ist definitiv ein Problem, aber kein Großes. Wenn irgendeine Aufgabe ansteht, dann sind sie der Meinung, ich müsse alles stehen und liegen lassen und diese Sache sofort erledigen. Das nervt ein wenig. Aber das ist doch nur zu verständlich, sie assoziieren ein Spiel mit Zeitvertreib, und dementsprechend haben ihrer Meinung nach andere Sachen immer Vorrang. Sie wissen aber auch dass es sehr wichtig für mich ist und dass ich wegen des Castens andere Aufgaben vernachlässige. Man muss auch noch dazu sagen dass wir in einer verdammt kleinen Wohnung leben und da ist es natürlich auch schwierig wenn meine Eltern schon schlafen weil sie früh raus müssen und ich im Zimmer weiter durchdrehe bei einem Spiel. *lacht*

inDota2.de: Du warst ja bei „The International 1“ offizieller deutscher Caster. Schildere doch bitte kurz deine Eindrücke von diesem Mega-Turnier und wie du zu dem Preisgeld stehst.

Dota 2 Caster Saga bei The International

Saga: Ich war so glücklich dass ich gefragt wurde ob ich Caster neben Nicetry sein möchte, ich habe auch sofort zugesagt. Wir haben uns sehr darauf gefreut und haben uns gut vorbereitet darauf. Den ersten Tag haben wir normal gecastet, wir waren auch auf der Bühne zu hören. Dann kam ein Valve Mitarbeiter zu uns und meinte dass wir nicht mehr zu hören sein werden und dass wir nicht mehr gestreamt werden weil sie Probleme mit dem Stream haben.

Das einzige was wir also gemacht haben war live VODs zu machen. Ich war sehr enttäuscht, ich hatte eigentlich keine große Lust mehr weiterzumachen und das hört man denke ich auch bei den VODs. Ich habe mir viel zu viel erhofft und darum war die Enttäuschung dann umso größer weil es nicht ganz so geklappt hat wie ich mir das vorgestellt hatte. Es war dennoch ein voller Erfolg weil die Masse an diesem Stand hängengeblieben ist. Wir waren auch immer die ersten die waren und die letzten die gegangen sind.

Dass sie so viel Preisgeld ausschütten ist denke ich für Valve kein Problem aber es ist auch wahr, dass „The International“ einfach andere Turniere überdeckt. Die Leute haben dann einfach weniger Bock auf andere Turniere, vor allem online (pur).  LAN ist perfekt, auch oft mit guten Preisgeldern dotiert, aber der Wert von Online Turnieren nimmt einfach stetig ab, vor allem weil es mittlerweile einfach sehr viele gibt und diese ewig lange dauern.

Was genau VALVe da machen kann kann ich beim besten Willen nicht sagen, da ich nicht weiß, wie viel sie für Dota2 zur Verfügung haben, beziehungsweise wie viel sie reinstecken wollen. Ein zweites International wäre genial. Zusätzliche Vermarktung der Spieler wäre perfekt. Ein Zusammenschluss von mehreren Organisationen bezüglich eines Turniers wäre ein Traum.

 

inDota2.de: Zum Schluss irgendwelche Shoutouts?

Saga: Smarti, Roman & KuroKy (<333) , ganz mouz, so ziemlich jeden auf Dotasource, insbesondere Seraph, Zagdil, Shinoo, Crytash, ramius, Dottentalk-Crew, twoplay, MissChris, und auch explizit an lotus, tree und heph, weil ich glaube, dass wir demnächst durch pubben jede Menge Spaß haben werden! Schließlich auch meine Freunde JuiCe, ekelATEM, h34dy-4U, die allesamt passionierte Dotaspieler sind und mich glücklich machen, wenn sie mir ihre Lowstories erzählen. Ein Riesendanke an jeden Support, alle die meine Casts mögen und auf eine gute Zusammenarbeit.

Wer mehr von Saga sehen möchte, sollte ihm einfach auf seiner Facebook-Seite folgen. Dort kündigt er seine Dota 2 Casts an, so dass ihr immer auf dem laufenden bleibt. Wer trotzdem mal eine Show verpasst, kann sich das ganze noch nachträglich auf unserer Dota 2 VOD Sammlung von Saga ansehen.